SSD-Optimierungen für Windows 7
13. Februar 2012 ·
3 Kommentare ·
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Im Web kursieren eine Vielzahl an Tipps, um Windows 7 (und unter Umständen Windows Vista) für eine SSD als Systemplatte zu optimieren. Dazu zählen einfache Tweaking-Methoden zur Geschwindigkeitserhöhung, Maßnahmen, um unnötige Schreibzugriffe zu vermeiden oder deren Anzahl zu reduzieren und Maßnahmen um Speicherplatz einzusparen. Aus gegebenem Anlass möchte ich einmal meine ganz persönlichen Tuningmaßnahmen vorstellen und erläutern.
Grundsätzliche Überlegungen
Die Speicherzellen einer SSD sind Halbleiter-Bauelemente und vertragen nur eine begrenzte Anzahl an Schreibzyklen. In den günstigen Modellen sind überwiegend MLC-Speicherzellen anzutreffen, in denen pro Zelle nicht nur ein Bit, sondern zwei oder mehr gespeichert werden. Dadurch sind, verglichen mit teureren SLC-Speicherzellen, höhere Speicherdichten und folglich Kosteneinsparungen möglich, welche an den Kunden weitergegeben werden. MLC-Speicher besitzt jedoch eine deutlich niedrigere Anzahl an (garantierten) Schreibzyklen als SLC-Speicher. Die Herstellerangaben reichen hier üblicherweise von 5.000 bis 10.000 Zyklen bei MLC- und rund 100.000 bei SLC-Bausteinen (siehe hier).
Im ersten Moment mögen diese Angaben für MLC-Speicher erschreckend niedrig wirken, nichtsdestoweniger sollten sie aus zwei Gründen keinen Anlass zu übermäßiger Sorge bereiten: Zum Ersten werden im gewöhnlichen PC-Alltag viel weniger Daten geschrieben als gelesen und zum Zweiten sorgen sogenannte Wear-Levelling-Algorithmen der Hersteller dafür, dass Schreiboperationen gleichmäßig auf alle zur Verfügung stehenden Speicherzellen verteilt werden (siehe hier). Infolgedessen wird auf jede Zelle verhältnismäßig selten geschrieben und die Lebensdauer der gesamten SSD ist merklich höher als die einer einzelnen Zelle. Bei einer Crucial m4 (64 GB) konnten bisher beispielsweise fast 370 TB geschrieben werden, ohne dass die SSD versagte oder per S.M.A.R.T. einen Fehler meldete (mehr und genauere Angaben). Bei einer typischen Nutzung von 20 GB pro Tag ergibt sich daraus eine theoretische Lebensdauer von circa 50 Jahren (370 TB × 1000 GB/TB ÷ 20 GB/Tag ÷ 365 Tage/Jahr). Mehr als genug also für den durchschnittlichen Nutzer, wobei die meisten SSD-Hersteller deutlich kürzere Laufzeiten garantieren (bei Intel 5 Jahre) und die Erwartung, je nach Modell, irgendwo dazwischen liegen dürfte (für weitere Informationen siehe c't Magazin 22/2011, S. 150).
Optimierungen und Tuningmaßnahmen
Optimierungsmaßnahmen sollen zum Einen dazu beitragen, das Potential der SSD auszuschöpfen und zum Anderen unnötige Schreibzyklen zu reduzieren, wobei letzteres nur für ältere, sehr günstige und/oder unzuverlässigere SSDs wichtig ist. Im Folgenden also meine persönlichen Optimierungen.
Ruhezustand deaktivieren
In vielen Betriebssystemen, so auch Windows 7 und Vista, kann der Rechner in einen bestimmten stromlosen Zustand versetzt werden, bei dem später das Weiterarbeiten an gleicher Stelle möglich ist. Dazu wird das aktuelle Abbild des Arbeitsspeichers (ergo der Systemzustand) auf die Festplatte geschrieben um es später zurückzuschreiben und das System in den Zustand vor dem Abschalten zu versetzen (sog. „Suspend to Disk“ oder S4), wodurch ein Anwender seine Betriebssystemsitzung inklusive offener Anwendungen direkt fortsetzen kann. Windows schreibt das RAM-Abbild in die Datei hiberfil.sys, welche genauso groß ist, wie der vorhandene RAM. Um Schreibzyklen und auch Speicherplatz auf der SSD zu sparen, sollte lieber der Bereitschaftsmodus (im Windows-Jargon „Energie sparen“, eigentlich „Suspend to RAM“) genutzt werden, der nur den RAM nach dem Abschalten noch mit Energie versorgt und nur sehr wenig Strom benötigt. Der Ruhezustand kann über die Kommandozeile mit Administratorrechten deaktiviert werden, wodurch auch besagte Datei gelöscht wird.
powercfg -h off
Speicherabbilder deaktivieren
Bei einem Systemabsturz wird von Windows ein Abbild des Arbeitsspeichers (Memory-Dump) auf die Festplatte geschrieben, um daraus Debug-Informationen gewinnen zu können. Für die meisten Anwender ist das eher sinnlos und durch Deaktivieren können Schreibzyklen eingespart werden:
Startknopf ▷ Rechtsklick auf Computer ▷ Eigenschaften ▷ Erweiterte Systemeinstellungen ▷ Einstellungen... unter Starten und Wiederherstellen und (Kein) im Menü unter Debuginformationen wählen.
Indexierung abschalten
Die Indexierung von Dateien dient dem schnelleren Auffinden selbiger bei einer Suche. Weil eine SSD von Haus aus schon deutlich schnellere Zugriffszeiten besitzt, kann man sehr gut darauf verzichten.
Startknopf ▷ Linksklick auf Computer ▷ Rechtklick auf die SSD ▷ Eigenschaften ▷ Zulassen, dass für Dateien auf diesem Laufwerk […] abwählen, Änderungen auf alle Unterordner anwenden lassen und auftretende Meldungen entsprechend bestätigen.
Zuverlässigkeitsüberwachung deaktivieren
Von diesem Dienst haben wohl nur die Wenigsten etwas mitbekommen. Der sogenannte Reliability Monitor ist dafür zuständig, die Systemstabilität zu überwachen und zu bewerten, kostet dafür jedoch Systemleistung. Abschalten kann man ihn durch folgenden Befehl in der Kommandozeile mit Administratorrechten:
schtasks.exe /change /disable /tn \\Microsoft\\Windows\\RAC\\RacTask
Größe der Auslagerungsdatei reduzieren
Sofern man über genügend Arbeitsspeicher (> 4 GB) im System verfügt, kann man die Größe der pagefile.sys (unter Linux der sogenannte Swap-Bereich) verkleinern, um wertvollen Speicherplatz auf der SSD zu sparen.
Startknopf ▷ Rechtsklick auf Computer ▷ Eigenschaften ▷ Erweiterte Systemeinstellungen ▷ Einstellungen... unter Leistung anklicken ▷ Erweitert ▷ Ändern. Auslagerungsdateigröße für alle Laufwerke automatisch verwalten abwählen, die SSD auswählen und Benutzerdefinierte Größe wählen. Bei Anfangsgröße und Maximale Größe jeweils 1024 eintragen und auf Festlegen klicken.
Anschließend wird nur noch ein Gigabyte Auslagerungsspeicher zur Verfügung stehen.
Systemwiederherstellung abschalten
Ein Tipp der eher mit Vorsicht zu genießen ist, weil hierdurch keine Wiederherstellungspunkte beim Einspielen von Updates und Installieren einiger Programme mehr gesetzt werden. Manche Anwender fühlen sich dadurch sicherer und haben vermutlich schon einmal genutzt, um das System zurückzusetzen. Wer keine Verwendung dafür hat, kann sie gänzlich deaktivieren und so Speicherplatz und Schreibzyklen einsparen.
Startknopf ▷ Rechtsklick auf Computer ▷ Eigenschaften ▷ Computerschutz ▷ SSD auswählen und auf Konfigurieren klicken. Computerschutz deaktivieren wählen und durch OK bestätigen.
Temp-Ordner verlegen
Den Ordner für temporäre Programmdateien kann man, sofern vorhanden, auf eine herkömmliche Festplatte verschieben und so Speicherplatz und auch wieder Schreibzyklen sparen.
Startknopf ▷ Rechtsklick auf Computer ▷ Eigenschaften ▷
Erweiterte Systemeinstellungen ▷ Umgebungsvariablen. Im Bereich Benutzervariablen für … bei den Werten für TEMP und TMP jeweils auf Bearbeiten... klicken und die Werte anpassen (z.B. auf D:\\Temp) und durch OK bestätigen.
Fortsetzung folgt …
Im nächsten Teil dann noch ein paar Optimierungsmethoden und Erläuterungen, warum ich einige Optimierungen für weniger sinnvoll erachte.
Kommentare
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NölSch
31. Juli 2012, 10:45 UhrDanke für die hilfreichen Tipps! Sind echte gute dabei

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Stefan Gentz
20. November 2012, 22:49 UhrÜbrigens, ganz Raffinierte können sich (genügend Hauptspeicher vorausgesetzt) auch ein RAM-Drive anlegen (z.B. mit Dataram, ein paar GB sollten es schon sein). In dieses kann man dann den Temp-Ordner sowie die Temporary Internet Files verlegen. Das erhöht nicht nur massiv die Performance bei Aktionen, die im Temp-Ordner stattfinden (lesen/schreiben ca. 5.000 MB/s, Zugriffszeit ca. 0,02 ms), sondern schont auch noch die SSD.
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Oskar
07. März 2013, 04:23 UhrIch habe bei meinem Win7 Pro 64Bit System, da ich mehr als 8GB RAM habe, die Auslagerungsdatei "pagefile.sys" komplett deaktiviert. Wer dies aber nicht möchte, sollte sie auf jeden Fall nicht auf Laufwerk C liegen lassen, wenn er eine SSD als Bootlaufwerk hat um die Schreibzugriffe auf diese zu verhindern.
Um aus dem Rechner noch mehr Leistung herauszuholen, sollte den Computerschutz deaktivieren, wenn man dieses Wiederherstellungssystem nicht nutzt, weil man z.B. Acronis oder ein anderes Sicherungssystem nutzt. Bringt eine Menge an Leistung und mehr Platz auf Laufwerk C.
Ach so, wenn man seine SSD schnell wieder in die Tonne drücken möchte, sollte man diese immer wieder mal Defragmentieren. Macht das nur nicht!!!


![SSD-Optimierungen (eigene Aufnahme unter Creative Commons License [BY-NC-SA]) SSD-Optimierungen (eigene Aufnahme unter Creative Commons License [BY-NC-SA])](http://blogeum.de/upload/62412358.jpg)


